Trüffelanbau im Landkreis Sömmerda – von natürlichen Vorkommen zur Trüffelproduktion

Trüffelanbau im Landkreis Sömmerda in vielen Bereichen möglich


Der Landkreis Sömmerda bietet gute Voraussetzungen, um natürliche Trüffelvorkommen, Forschung und professionellen Trüffelanbau miteinander zu verbinden. Bei stichprobenartigen Untersuchungen konnten wir insbesondere im östlichen Landkreis an verschiedenen Standorten Burgundertrüffeln (Tuber aestivum/uncinatum) nachweisen.

Fündig wurden wir beispielsweise in Buttstädt, Gutmannshausen und Ostramondra. Weitere Untersuchungen bestätigten, dass sich die Vorkommen nicht auf einzelne Zufallsfunde beschränken.

Inzwischen sind im Landkreis mehrere Trüffelplantagen angelegt. Mit der Betriebsstätte in Kannawurf kommt ein weiterer Schwerpunkt hinzu: Hier werden Trüffelbäumchen produziert, Pilzkenntnisse vermittelt und ab Herbst eine rund 1,3 Hektar große Versuchs- und Musterplantage aufgebaut.

Damit entwickelt sich der Landkreis Sömmerda zu einem besonders interessanten Standort für die praktische Weiterentwicklung des Trüffelanbaus in Thüringen.

Burgundertrüffeln wachsen hier längst von Natur aus

Bevor eine Region für den Trüffelanbau empfohlen wird, ist für unsere Forschungsarbeit eine andere Frage interessant:

Was zeigt uns die Natur?

Bei stichprobenartigen Kontrollen konzentrierten wir uns zunächst auf Ortschaften im östlichen Teil des Landkreises. Bereits in Buttstädt, Gutmannshausen und Ostramondra wurden wir fündig.

Solche Nachweise sind wertvoll, weil sie zeigen, dass Burgundertrüffeln unter den dort vorhandenen ökologischen Bedingungen ihren vollständigen Lebenszyklus durchlaufen und Fruchtkörper bilden können.

Das bedeutet allerdings nicht, dass automatisch jeder benachbarte Acker oder Garten für den Anbau geeignet ist. Für eine Trüffelkultur muss immer der konkrete Standort untersucht werden.

Eine Bodenprobe mit überraschendem Inhalt


Eine unserer Untersuchungen lieferte ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie produktiv einzelne natürliche Trüffelstandorte sein können.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Jena wurden an einem besonders ergiebigen Standort Bodenproben genommen. Eine Probe stammte unmittelbar aus dem Bereich, in dem zuvor eine Trüffel lokalisiert worden war.

Zum Vergleich wurde etwa einen Meter daneben eine weitere Bodenprobe entnommen.

Dabei geschah etwas Unerwartetes: Mit dem kleinen Schäufelchen wurde zusammen mit der Bodenprobe eine weitere kleine Trüffel aus dem Boden gehoben.

Für die beteiligten Wissenschaftlerinnen bereits eine Überraschung.

Doch damit nicht genug.

Auch auf der gegenüberliegenden Seite wurde eine Vergleichsprobe genommen – und erneut befand sich dort eine kleine Trüffel im Boden.

Was uns eine produktive Fundstelle verraten kann

Eine einzelne Beobachtung erlaubt noch keine allgemeingültige Aussage über die Trüffeldichte einer Region. Gerade deshalb sind solche Fundstellen wissenschaftlich interessant.

Warum produziert ein Standort besonders viele Fruchtkörper, während wenige Meter oder an vergleichbaren Standorten deutlich weniger gefunden werden?

Bodenchemie, Bodenstruktur, Wasser, Baumpartner, Mikroorganismen und konkurrierende Pilze gehören zu den Faktoren, deren Zusammenspiel genauer untersucht werden muss.

Kannawurf – vom Gärtnereistandort zur Trüffelproduktion

Ein besonderer Schwerpunkt des Trüffelanbaus im Landkreis entsteht in Kannawurf bei Kindelbrück.

Eine ehemalige Gärtnerei wurde übernommen und als weitere Betriebsstätte für die Trüffelproduktion eingerichtet.

Die vorhandenen Gewächshausflächen bieten dafür ausgezeichnete Möglichkeiten.

Heute werden dort in fünf Gewächshäusern jährlich mehr als 100.000 Trüffelbäumchen herangezogen.

Damit findet ein entscheidender Teil des späteren Trüffelanbaus bereits im Landkreis Sömmerda statt – lange bevor ein Baum auf einer Plantage gepflanzt wird.

Was macht ein gutes Trüffelbäumchen aus?

Beim Trüffelanbau ist nicht entscheidend, welcher Jungbaum oberirdisch am größten oder schönsten aussieht.

Das Wesentliche geschieht zunächst unsichtbar an seinen Wurzeln.

Der gewünschte Trüffelpilz muss mit den Feinwurzeln eines geeigneten Baumpartners eine Ektomykorrhiza ausbilden. Diese Lebensgemeinschaft soll sich nach der Auspflanzung im Boden weiterentwickeln und langfristig behaupten.

Deshalb beginnt die Qualität einer zukünftigen Trüffelkultur bereits bei Baumkeimling, Mykorrhizierung und Anzucht.

Ein Trüffelbäumchen ist damit nicht einfach ein Baum mit einem Pilz. Es ist der Ausgangspunkt einer biologischen Kultur, deren Entwicklung über viele Jahre gesteuert werden soll.

Die vierte Versuchs- und Musterplantage entsteht in Kannawurf


Im Herbst folgt der nächste Entwicklungsschritt.

Auf einer Fläche von etwa 1,3 Hektar soll in Kannawurf die vierte Versuchs- und Musterplantage entstehen.

Sie ergänzt die bereits vorhandenen Anlagen und ermöglicht weitere langfristige Vergleiche. Unterschiedliche Baumpartner, Kulturmaßnahmen und Entwicklungsstadien können unter Praxisbedingungen beobachtet und dokumentiert werden.

Eine Musterplantage ist deshalb weit mehr als eine Produktionsfläche.

Sie dient zugleich als Versuchsfläche, Lernort und Anschauungsobjekt für zukünftige Trüffelanbauer.

Heute pflanzen – über Jahre lernen


Trüffelanbau verlangt Geduld. Viele Auswirkungen einer Entscheidung zeigen sich nicht nach Wochen oder Monaten, sondern möglicherweise erst Jahre später.

Gerade deshalb sind langfristig dokumentierte Musteranlagen für die Weiterentwicklung von Anbauverfahren besonders wertvoll.


Wer Trüffeln anbauen will, sollte Pilze verstehen

Ein Trüffelanbauer pflanzt zwar Bäume – aber sein eigentliches Produktionsziel ist ein Pilz.

Wer Trüffelanbau ausschließlich mit dem Wissen aus Landwirtschaft, Obstbau oder Forstwirtschaft betrachtet, übersieht deshalb einen wesentlichen Teil des Systems.

Trüffeln gehören zum Reich der Pilze. Für erfolgreichen Anbau sind Kenntnisse ihrer Lebens- und Ernährungsweise, ihrer Ektomykorrhiza, Vermehrung und sexuellen Fortpflanzung ebenso wichtig wie Kenntnisse über Boden, Wasser und Baumpartner.

Deshalb verbinden wir in Kannawurf künftig Pilzkunde und Trüffelanbau miteinander.

Pilzseminare und Ausbildung in Kannawurf

Ab Herbst 2025 wird Kannawurf nicht nur Produktions- und Versuchsstandort, sondern auch Ausbildungsort.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Pilzschule werden Seminare für unterschiedliche Kenntnisstufen angeboten – vom Einstieg in die Pilzkunde über Fortgeschrittenenkurse bis zur Vorbereitung auf Prüfungen zum Pilzberater oder Pilzsachverständigen.

Dabei geht es nicht darum, dass jeder Trüffelanbauer zum Pilzsachverständigen werden muss.

Aber wer über Jahre eine Ektomykorrhizakultur steuern möchte, profitiert erheblich davon, Pilze nicht nur als Ernteprodukt, sondern als eigenständige Lebewesen zu verstehen.

Vom Trüffelbäumchen zur produktiven Trüffelkultur

Wer im Landkreis Sömmerda über eine eigene Trüffelplantage nachdenkt, sollte nicht mit der Frage beginnen: „Wie viele Bäume kann ich auf meinen Acker pflanzen?“

Die bessere Frage lautet:

Welche Trüffelkultur lässt sich auf diesem Standort erfolgreich etablieren?

Dafür müssen Boden, Kalkversorgung, Bodenstruktur, Wasserhaushalt, Exposition, vorhandene Vegetation und weitere Standortbedingungen beurteilt werden.

Erst danach sollten Trüffelart, Baumpartner, Pflanzsystem, Wasserversorgung und Kulturführung festgelegt werden.

Die Tatsache, dass natürliche Burgundertrüffeln in der Region vorkommen, ist ein sehr positives Signal. Sie ersetzt jedoch nicht die Untersuchung der konkreten Fläche.

Neue Versuchs- und Musteranlage, Trüffelbäumchen und Trüffelgärten

Trüffelanbau nach dem Thüringer Modell®

Die Erfahrungen aus den bisherigen Versuchs- und Produktionsanlagen fließen in die Weiterentwicklung des Thüringer Modell® ein.

Im Mittelpunkt steht nicht die möglichst schnelle Produktion großer Bäume, sondern die Etablierung und Entwicklung einer produktiven Trüffelkultur mit geeigneten Baumpartnern.

Standortvorbereitung, Pflanzmaterial, Pflanzabstände, Anwachsphase, Wasserversorgung, Boden- und Vegetationsmanagement, Kontrolle der Mykorrhiza, Hundetraining und spätere Ernte werden deshalb nicht isoliert betrachtet.

Sie bilden ein zusammenhängendes Kultursystem.

Die neue Musteranlage in Kannawurf soll dazu beitragen, diese Erfahrungen weiter auszubauen und für Ausbildung und Beratung praktisch sichtbar zu machen.

Trüffelbäumchen aus Kannawurf

Mit der Produktion von jährlich mehr als 100.000 Trüffelbäumchen entwickelt sich Kannawurf zu einem wichtigen Ausgangspunkt für neue Trüffelkulturen.

Dabei reicht das Spektrum vom privaten Trüffelgarten über kleinere landwirtschaftliche Anlagen bis zur professionell geplanten Plantage.

Entscheidend sollte aber niemals allein die gewünschte Stückzahl sein.

Zuerst Standort beurteilen – dann geeignete Trüffel-Baum-Kombination auswählen.

So lassen sich Pflanzmaterial und späteres Kulturverfahren von Beginn an aufeinander abstimmen



Trüffelbäumchen passend zum Standort auswählen

Trüffelgarten statt großer Plantage

Nicht jeder benötigt einen Hektar Land.

Wer einen geeigneten größeren Garten besitzt, kann auch mit einer wesentlich kleineren Trüffelkultur beginnen. Das ermöglicht eigene Erfahrungen mit Baumpartnern, Pflege, Bewässerung, Hundetraining und später möglicherweise der ersten eigenen Ernte.

Damit kann der Trüffelanbau für Privatpersonen ebenso interessant sein wie für Landwirtschaft und Unternehmen.


Gerade ein kleiner Trüffelgarten bietet die Möglichkeit, sich über Jahre intensiv mit der Entwicklung der eigenen Pilzkultur zu beschäftigen.

Häufige Fragen zum Trüffelanbau im Landkreis Sömmerda

  • Gibt es im Landkreis Sömmerda natürlich wachsende Burgundertrüffeln?

    Ja. Bei stichprobenartigen Untersuchungen konnten natürliche Burgundertrüffel-Vorkommen an verschiedenen Standorten nachgewiesen werden, unter anderem im östlichen Teil des Landkreises.

  • Wo wurden im Landkreis Sömmerda Trüffeln gefunden?

    Eigene Nachweise gelangen beispielsweise im Raum Buttstädt, Gutmannshausen und Ostramondra. Darüber hinaus sind weitere Fundstellen bekannt. Die genannten Orte zeigen, dass natürliche Vorkommen nicht auf einen einzelnen Standort beschränkt sind.

  • Bedeutet ein natürlicher Trüffelfund, dass sich mein Grundstück für Trüffelanbau eignet?

    Nein, aber er ist ein interessanter Hinweis auf geeignete regionale Bedingungen. Für eine Plantage müssen das konkrete Grundstück, Boden, Kalkversorgung, Wasserhaushalt und weitere Standortfaktoren beurteilt werden.

  • Werden in Kannawurf tatsächlich Trüffelbäumchen produziert?

    Ja. In fünf Gewächshäusern werden dort jährlich mehr als 100.000 Trüffelbäumchen herangezogen. Der Standort dient außerdem der Weiterentwicklung von Produktion, Versuchswesen und Ausbildung.

  • Kann man in Kannawurf etwas über Trüffelanbau lernen?

    Der Standort wird zunehmend als Ausbildungs- und Demonstrationsort entwickelt. Zusätzlich werden dort in Zusammenarbeit mit der Deutschen Pilzschule pilzkundliche Seminare angeboten.

  • Warum braucht ein Trüffelanbauer Kenntnisse über Pilze?

    Weil nicht der Baum, sondern der Trüffelpilz das eigentliche Produktionsziel ist. Kenntnisse über Ektomykorrhiza, Ernährung, Vermehrung, Konkurrenzpilze und Fruchtkörperbildung helfen, Kulturmaßnahmen biologisch besser zu verstehen.

  • Kann man Trüffeln auch in einem privaten Garten anbauen?

    Grundsätzlich ja. Wenn Boden und weitere Standortbedingungen geeignet sind, können auch kleinere Trüffelgärten oder Trüffelhecken angelegt werden.

  • Sollte ich zuerst den Boden untersuchen oder Trüffelbäumchen bestellen?

    Zuerst sollte der Standort beurteilt werden. Danach lässt sich wesentlich besser entscheiden, welche Trüffel-Baum-Kombination und welches Anbauverfahren für die Fläche geeignet sind.

  • Was ist die neue Musterplantage in Kannawurf?

    Geplant ist eine rund 1,3 Hektar große Versuchs- und Musteranlage. Sie soll praktische Erfahrungen liefern und zugleich dazu dienen, unterschiedliche Aspekte des Trüffelanbaus anschaulich zu vermitteln.

  • Was unterscheidet das Thüringer Modell® vom bloßen Pflanzen von Trüffelbäumen?

    Beim Thüringer Modell® wird die gesamte Entwicklung der Trüffelkultur betrachtet. Standort, Pflanzmaterial, Mykorrhiza, Baumpartner, Wasser, Bodenpflege, Vegetationsmanagement und spätere Ernte sollen als zusammenhängendes biologisches System gesteuert werden.

Sie haben weitere Fragen zum Trüffelanbau?

Rufen Sie uns einfach an oder schreiben eine Mail

Kontaktaufnahme