Trüffelanbau im Saale-Holzland-Kreis – historisches Trüffelland mit Zukunft
Hoch über dem Saaletal liegen die Dornburger Schlösser auf kalkgeprägtem Untergrund. Heute sind sie eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region. Doch ein historisches Dokument zeigt, dass Dornburg noch eine andere, fast vergessene Geschichte besitzt: Hier wurden bereits vor mehr als 160 Jahren Trüffeln gesucht.
Auch unsere heutigen Untersuchungen bestätigen das Potenzial der Region. In den Muschelkalkgebieten um Dornburg und Camburg sowie an weiteren Standorten des Saale-Holzland-Kreises konnten natürliche Trüffelvorkommen nachgewiesen werden.
Besonders interessant für den Trüffelanbau erscheinen dabei manche steinreichen, kalkhaltigen Ackerflächen, die für den konventionellen Ackerbau nur begrenzte Erträge erwarten lassen.
Was für andere Kulturen ein schwieriger Boden ist, könnte für eine professionell angelegte Trüffelkultur ausgesprochen interessant sein.
Dornburg 1859 – Trüffelsuche bei einem Thaler Strafe verboten
Ein bemerkenswertes Zeugnis der regionalen Trüffelgeschichte stammt vom 22. März 1859.
In einer Bekanntmachung der Polizeiverwaltung für den Großherzoglichen Schlossgarten zu Dornburg wurden verschiedene Verbote aufgeführt. Unter Punkt 9 heißt es ausdrücklich:
„das Aufsuchen und Ausgraben von Trüffeln im Haine bei einer Geldstrafe von 1 Thlr.“
Das ist bemerkenswert.
Ein ausdrückliches Verbot ergibt nur dann einen Sinn, wenn das Aufsuchen und Ausgraben von Trüffeln tatsächlich vorkam und offenbar in einem Umfang betrieben wurde, der eine Regelung erforderlich erscheinen ließ.
Damit liefert die Bekanntmachung einen historischen Beleg dafür, dass Trüffeln im Umfeld des Dornburger Schlossgartens bereits Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt waren und gezielt gesucht wurden.
Vom verbotenen Trüffelgraben zum modernen Trüffelanbau
Mehr als 160 Jahre später erhält diese Geschichte eine überraschende Aktualität.
Heute geht es nicht darum, geschützte wild wachsende Trüffeln auszugraben, sondern darum, auf geeigneten landwirtschaftlichen Flächen gezielt eigene Trüffelkulturen zu etablieren.
Aus einer historischen Naturnutzung kann damit eine moderne landwirtschaftliche Kultur entstehen.
Muschelkalk zwischen Dornburg und Camburg – „goldener Boden“ für Trüffeln?
Die Muschelkalklandschaften im nördlichen Saale-Holzland-Kreis gehören aus unserer Sicht zu den besonders interessanten Gebieten für weitere Untersuchungen zum Trüffelanbau.
Rund um Dornburg und Camburg finden sich kalkbeeinflusste Standorte, an denen natürliche Trüffelvorkommen wichtige Hinweise auf die regionalen Bedingungen liefern.
Besonders auffällig sind Ackerflächen an den Rändern der bewaldeten Kalkhügel. Manche sind flachgründig, steinreich und mit zahlreichen Kalksteinen durchsetzt.
Für konventionellen Ackerbau kann das problematisch sein.
Für den Trüffelanbau können gerade solche Eigenschaften interessant werden.
Schlechter Acker – wertvolle Trüffelfläche?
Eine Fläche mit geringer klassischer Ertragsfähigkeit muss wirtschaftlich nicht wertlos sein.
Wenn Kalkversorgung, Bodenstruktur, Wasserhaushalt, Exposition und weitere Standortfaktoren passen, können landwirtschaftliche Grenzertragsflächen möglicherweise für eine hochwertige Trüffelkultur genutzt werden.
Genau hier könnte für Grundstückseigentümer und landwirtschaftliche Betriebe eine neue Perspektive liegen.
Ein spontaner Halt an der B 88 – und der erste Nachweis
Eigentlich hatten wir die Kalkhügellandschaft um Dornburg als Untersuchungsziel ausgewählt.
Doch bereits auf der Fahrt durch das Saaletal fiel der kalkhaltige Untergrund der bewaldeten Hänge neben der B 88 auf. Die Standortmerkmale waren interessant genug für einen spontanen Zwischenstopp.
Die Begehung war wegen der Steilheit zunächst mühsam.
Am Plattenberg änderte sich das im flacheren Gelände. Unter einem Haselnussstrauch gelang der erste Trüffelnachweis.
Auf der weiteren Fahrt in Richtung Dornburg folgten zusätzliche Fundstellen.
Solche Erkundungen zeigen, weshalb Erfahrung bei der Trüffelkartierung eine große Rolle spielt: Geologie, Gelände, Vegetation und potenzielle Ektomykorrhizapartner werden gemeinsam betrachtet und anschließend durch den Hund überprüft.
Keine Minute bis zum Trüffelfund in Dornburg
Nach den erfolgreichen Untersuchungen auf dem Weg nach Dornburg wollten wir wissen, ob sich auch innerhalb des Ortes geeignete Standorte finden lassen.
Ein anhand von Kartenmaterial ausgewählter Bereich auf einem Schulgelände erschien vielversprechend.
Die praktische Überprüfung dauerte kaum eine Minute: Jette zeigte unter Linden die ersten Trüffeln an.
Zwei Schüler wurden auf die Suche aufmerksam und wollten wissen, was dort geschah. Damit wurde aus einer Forschungsarbeit ganz spontan eine kleine Unterrichtsstunde über unterirdisch wachsende Pilze.
Gerade solche Erlebnisse können dazu beitragen, bereits junge Menschen für Pilze, Böden und ökologische Zusammenhänge zu interessieren.
Von Lehesten über Nerkewitz und Zimmern bis Dornburg
Nicht nur einzelne Punkte erscheinen interessant.
Die landwirtschaftlich genutzten Flächen im Raum Lehesten – Nerkewitz – Zimmern – Dornburg verdienen aus unserer Sicht besondere Aufmerksamkeit für weitere Untersuchungen.
Natürliche Trüffelnachweise in der Umgebung zeigen, dass geeignete ökologische Bedingungen regional vorhanden sind.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder dort gelegene Acker automatisch für eine Trüffelplantage geeignet wäre.
Vor einer Investition müssen die tatsächlichen Verhältnisse des Grundstückes untersucht werden: Bodenaufbau, Kalkversorgung, pH-Wert, Wasserhaltevermögen, Drainage, Exposition und Möglichkeiten einer bedarfsgerechten Bewässerung gehören zu den wichtigen Faktoren.
Nicht nur Burgundertrüffeln – auch Wintertrüffeln kommen vor
Unsere Untersuchungen brachten eine weitere Besonderheit zutage.
Neben der Burgundertrüffel konnten an verschiedenen Stellen auch Wintertrüffeln (Tuber brumale) nachgewiesen werden.
Bei unseren Erkundungswanderungen im November und Dezember entfielen 10 von etwa 90 dokumentierten Trüffelstellen auf Wintertrüffeln.
Nach unseren bisherigen Beobachtungen bleiben die hier gefundenen Fruchtkörper vergleichsweise klein und erreichen häufig nur etwa ein bis drei Zentimeter Durchmesser.
Interessant ist zudem, dass sich die Fundbereiche von Winter- und Burgundertrüffeln nach unseren bisherigen Beobachtungen häufig unterscheiden.
Warum viele Trüffelhunde Wintertrüffeln überlaufen
Eine Trüffel kann vorhanden sein – und trotzdem vom Suchhund nicht angezeigt werden.
Unsere Erfahrungen zeigen, dass viele auf Burgundertrüffeln trainierte Hunde Wintertrüffeln nicht ohne Weiteres anzeigen. Bei gezieltem Interesse an Tuber brumale kann deshalb ein spezielles Training erforderlich sein.
Das ist auch für die Forschung wichtig. Kartierungen mit einem Hund, der bestimmte Arten nicht anzeigt, können ein unvollständiges Bild der tatsächlichen Verbreitung liefern.
Ein Suchhund bestimmt mit, was wir über die Natur erfahren
Trüffelkartierung ist deshalb mehr als „Hund laufen lassen und Funde zählen“.
Ausbildung, Erfahrung und Suchspektrum des Hundes beeinflussen, welche hypogäischen Pilze überhaupt entdeckt werden.
Gerade bei Untersuchungen zur Artenvielfalt muss dieser Faktor berücksichtigt werden
Wintertrüffeln anbauen – erste Versuche waren erfolgreich
Die natürlichen Nachweise werfen zwangsläufig die Frage auf, ob neben der Burgundertrüffel auch die Wintertrüffel für den Anbau in Thüringen interessant sein könnte.
Innerhalb der Forschungsgruppe Hypogäen wurden deshalb erste Anbauversuche mit Tuber brumale durchgeführt.
Diese führten zum Erfolg.
Damit eröffnet sich ein weiteres Forschungsfeld: Unter welchen Standortbedingungen lässt sich die Art zuverlässig kultivieren? Welche Baumpartner eignen sich? Wie entwickelt sich die Produktion unter mitteldeutschen Klimabedingungen?
Für den wirtschaftlichen Anbau bleibt die Burgundertrüffel derzeit der wesentlich wichtigere Schwerpunkt. Die Wintertrüffel erweitert jedoch das Spektrum für Forschung und zukünftige Kulturversuche.
Erst den Acker prüfen – dann Trüffelbäumchen pflanzen
Gerade weil manche steinreichen Flächen im Saale-Holzland-Kreis auf den ersten Blick ausgesprochen interessant erscheinen, ist eine sorgfältige Standortprüfung wichtig.
Kalksteine allein machen noch keine erfolgreiche Trüffelplantage.
Bodenstruktur, Bodenmächtigkeit, pH-Wert, Kalkversorgung, Wasserhaushalt, Exposition, bisherige Nutzung und Bewässerungsmöglichkeiten müssen zusammen betrachtet werden.
Erst danach sollte entschieden werden, welche Trüffelart, welche Baumpartner und welches Pflanzsystem für die Fläche geeignet sind.
Vom Trüffelbäumchen bis zur Ernte – Trüffelanbau aus einer Hand
Trüffelbäumchen für den Saale-Holzland-Kreis
Bei einer Trüffelkultur steht nicht die möglichst schnelle Produktion großer Bäume im Vordergrund.
Entscheidend ist die Ektomykorrhiza zwischen dem gewünschten Trüffelpilz und den Feinwurzeln eines geeigneten Baumpartners.
Deshalb sollten Trüffelbäumchen nicht allein nach Baumart, Größe oder Preis ausgewählt werden. Pflanzmaterial, Standort und späteres Kulturverfahren müssen zusammenpassen.
Gerade auf flachgründigen oder trockengefährdeten Kalkstandorten ist die Auswahl geeigneter Baumpartner Teil der langfristigen Produktionsstrategie.
Trüffelanbau nach dem Thüringer Modell®
Eine Trüffelplantage ist kein Wald und keine klassische Obstplantage.
Beim Thüringer Modell® steht deshalb die Etablierung und Steuerung einer produktiven Trüffelkultur im Mittelpunkt. Der Baum ist der notwendige Ektomykorrhizapartner.
Standortvorbereitung, Pflanzmaterial, Mykorrhiza, Pflanzabstände, Wasserversorgung, Boden- und Vegetationsmanagement, Kontrolle, Hundetraining und spätere Ernte werden als zusammenhängendes System betrachtet.
Gerade die natürlichen Vorkommen zwischen Saaletal, Dornburg und Camburg bieten wertvolle Vergleichsmöglichkeiten zwischen Naturstandort und Kultur.
Frische Burgundertrüffeln für das Saaleland kaufen
Die Dornburger Bekanntmachung von 1859 zeigt, dass Trüffeln in der Region schon vor mehr als 160 Jahren begehrt waren. Heute müssen Genießer nicht im Schlosspark danach suchen.
Während der Saison bieten wir frische, reife Burgundertrüffeln aus Thüringer Anbau für Privatkunden, Restaurants, Hotels und Lebensmittelhandwerker an.
Trüffeln werden dabei nicht als Hauptspeise benötigt. Bereits kleine Mengen können beispielsweise Pasta, Eiergerichte, Kartoffeln, Saucen oder regionale Fleischgerichte aromatisch veredeln.
Für die touristisch attraktive Region um Dornburg und das Saaletal bietet sich daraus eine besondere Chance: regionale Geschichte, Thüringer Trüffelanbau und Gastronomie miteinander verbinden.
Ein Restaurant könnte beispielsweise aus einem Gericht mit „Thüringer Burgundertrüffeln“ eine Spezialität mit unmittelbar erzählbarer regionaler Geschichte machen.
Von der Trüffelgeschichte zur regionalen Geschäftsidee
Dornburg besitzt etwas, das sich nicht künstlich erfinden lässt: eine authentische Trüffelgeschichte.
Die historische Bekanntmachung von 1859, heutige Naturfunde und die Möglichkeit zukünftiger regionaler Trüffelkulturen lassen sich miteinander verbinden.
Für Gastronomie, Hotellerie, Direktvermarkter und Tourismus können daraus neue Angebote entstehen – vom saisonalen Trüffelgericht bis zur Zusammenarbeit mit regionalen Trüffelanbauern.
Und für Landwirte stellt sich eine noch grundsätzlichere Frage: Könnten heute wenig produktive kalkreiche Flächen künftig ein hochwertiges regionales Lebensmittel hervorbringen?
Häufige Fragen zum Trüffelanbau im Saale-Holzland-Kreis
Gibt es im Saale-Holzland-Kreis wild wachsende Trüffeln?
Ja. Bei eigenen Erkundungen wurden zahlreiche natürliche Trüffelstellen nachgewiesen, insbesondere in kalkgeprägten Bereichen des Saaletals und im nördlichen Landkreis.
Wurden in Dornburg schon früher Trüffeln gesucht?
Ja. Eine Polizeibekanntmachung vom 22. März 1859 verbot ausdrücklich das „Aufsuchen und Ausgraben von Trüffeln“ im Hain des Großherzoglichen Schlossgartens und belegte einen Verstoß mit einer Geldstrafe von einem Thaler.
Warum ist die Region um Dornburg und Camburg für Trüffelanbau interessant?
Muschelkalk, kalkreiche Böden und natürliche Trüffelvorkommen liefern interessante Voraussetzungen. Besonders steinreiche und teilweise flachgründige landwirtschaftliche Flächen verdienen eine genauere Standortprüfung.
Kann ein schlechter Acker ein guter Trüffelstandort sein?
Das ist möglich. Eigenschaften, die den klassischen Ackerbau erschweren, können für eine Trüffelkultur teilweise interessant sein. Ob eine konkrete Fläche geeignet ist, muss jedoch individuell untersucht werden.
Welche Trüffelarten wurden im Saale-Holzland-Kreis gefunden?
Neben der Burgundertrüffel wurden bei eigenen Untersuchungen unter anderem Wintertrüffeln (Tuber brumale) nachgewiesen.
Wächst die Wintertrüffel auch in Thüringen?
Ja. Natürliche Vorkommen sind bekannt. Bei den beschriebenen Erkundungen entfielen 10 von etwa 90 dokumentierten Fundstellen auf Wintertrüffeln.
Können Trüffelhunde verschiedene Trüffelarten unterscheiden?
Hunde können auf bestimmte Gerüche trainiert werden. Unsere Erfahrungen zeigen, dass auf Burgundertrüffeln ausgebildete Hunde andere Arten nicht zwangsläufig zuverlässig anzeigen. Für spezielle Kartierungs- oder Ernteziele kann deshalb zusätzliches Training sinnvoll sein.
Kann man Wintertrüffeln in Thüringen anbauen?
Erste Anbauversuche innerhalb der Forschungsgruppe Hypogäen waren erfolgreich. Welche wirtschaftliche Bedeutung die Art künftig für Thüringen entwickeln kann, bedarf weiterer Erfahrungen.
Sollte ich auf einem kalkreichen Acker sofort Trüffelbäumchen pflanzen?
Nein. Kalk ist nur ein Standortfaktor. Vor einer Investition sollten unter anderem Bodenstruktur, Bodenmächtigkeit, pH-Wert, Wasserhaushalt, Exposition und Bewässerungsmöglichkeiten untersucht werden.
Wo kann ich frische Burgundertrüffeln für das Saaleland kaufen?
Während der Saison können frische Burgundertrüffeln aus Thüringer Anbau bezogen werden. Sie eignen sich sowohl für Privatkunden als auch für Restaurants, Hotels und Lebensmittelhandwerker.