Trüffel in Brandenburg – entdecken, erforschen, kartieren
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Brandenburg hat Trüffeln – doch wie viele Arten kennen wir wirklich?
Brandenburg ist für die Trüffelforschung besonders spannend. Historische Berichte belegen Burgundertrüffeln im Oderbruch. In jüngerer Zeit konnte die Forschungsgruppe Hypogäen dort erneut Burgundertrüffeln nachweisen.
Damit wissen wir: Tuber aestivum kommt in Brandenburg vor.
Doch die Burgundertrüffel ist nur eine von zahlreichen unterirdisch fruktifizierenden Pilzarten, die hier zu erwarten sind. Wie groß die tatsächliche Artenvielfalt ist und wo ihre Verbreitungsschwerpunkte liegen, ist noch längst nicht ausreichend erforscht.
Genau das wollen wir ändern.
Gesucht werden Hundeführer, Pilzkundler und Naturfreunde, die sich zu Bürgerforschern ausbilden lassen und helfen, Brandenburgs unterirdische Pilzwelt systematisch zu erforschen.
Rund 60 Arten – ein Bürgerforscher zeigt, was möglich ist
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Von Bernau aus auf Trüffelsuche
Wie viel ein engagierter Trüffelsucher erreichen kann, zeigt Mario Gohmert aus Bernau bei Berlin.
Als Angehöriger der Forschungsgruppe Hypogäen und für seine Leistungen mit deren Ehrenzeichen ausgezeichnet, erforscht und kartiert er seit Jahren Hypogäen in Berlin und Brandenburg.
Dabei versteht er sich durchaus als „Einzelkämpfer“: rausgehen, suchen, bestimmen, dokumentieren und die nächste interessante Fläche untersuchen.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Rund 60 verschiedene Arten unterirdisch wachsender Pilze konnte er inzwischen in Berlin und Brandenburg nachweisen.
Seine Arbeit zeigt zugleich das Problem: Ein einzelner engagierter Forscher kann viel erreichen – ein Flächenland wie Brandenburg aber nicht systematisch untersuchen.
Deshalb suchen wir weitere Mitstreiter.
Bürgerforscher in Brandenburg gesucht
Brandenburg braucht Menschen, die nicht nur gelegentlich einen Trüffelhund ausprobieren möchten, sondern Freude daran entwickeln, ihre eigene Region über Jahre zu erforschen.
Besonders angesprochen sind Hundeführer aus Brandenburg und dem Berliner Umland, die bereits einen Grundkurs „Trüffelsuche mit Hund“ besucht haben, mit ihren erworbenen Kenntnissen allein aber nicht weiterkommen.
Sie sollen lernen, erfolgversprechende Standorte zu erkennen, Suchgebiete systematisch zu bearbeiten, Funde zu dokumentieren und ihre Kenntnisse anschließend auch an andere weiterzugeben.
Aber auch Anfänger mit Hund sind willkommen. In Einführungskursen können zunächst die Grundlagen für die Trüffelsuche gelegt werden.
Aus Kursteilnehmern sollen Entdecker werden – und aus Entdeckern Bürgerforscher.
Trüffelsuche ohne Hund – ein neuer Forschungsweg
Nicht jeder Pilzkenner besitzt einen Hund. Deshalb erweitern wir unsere Ausbildung um die Trüffelsuche ohne Hund.
Dieses Angebot richtet sich besonders an Pilzsammler, Pilzberater, Pilzsachverständige und andere Menschen mit guten Artenkenntnissen.
Bestimmte oberirdisch wachsende Pilze können auf ökologische Bedingungen hinweisen, unter denen auch Trüffeln vorkommen. Dazu zählen beispielsweise Kupferroter Gelbfuß, Satansröhrling, Speismorchel, Zungenkernkeule, Anhängselröhrling oder Wurzelnder Bitterschwamm.
Wer Böden, Bäume, Begleitpilze und Vegetation gemeinsam betrachtet, kann potenziell interessante Trüffelgebiete gezielter erkennen.
Kann ich ohne Hund Trüffel-Bürgerforscher werden?
Ja. Gerade erfahrene Pilzsammler und Pilzkundler können wichtige Forschungsarbeit leisten. Sie helfen, interessante Lebensräume und Zeigerpilze zu erkennen, Flächen zu kartieren und Beobachtungen zu dokumentieren.
Bürgerforscher mit und ohne Hund ergänzen sich: Die einen grenzen erfolgversprechende Gebiete ein, die anderen können diese anschließend mit ausgebildeten Trüffelhunden gezielt absuchen.
Was ein Wildschweinmagen über Trüffeln verriet
Die Episode zeigt mit einem Augenzwinkern, was Bürgerforschung ausmacht: neugierig bleiben, Zusammenhänge erkennen und auch dann weitersuchen, wenn der erste Weg nicht zum Erfolg führt.
Keine Trüffel gefunden? Dann suchen wir eben anders!
Trüffelforschung braucht manchmal ungewöhnliche Ideen.
Bei einer winterlichen Suchveranstaltung in Brandenburg vor rund zehn Jahren blieben die erhofften Trüffelfunde zunächst aus. Also entstand eine andere Idee: Wenn wir keine Trüffeln finden – vielleicht hat ein Wildschwein welche gefunden?
Ein im selben Hotel wohnender Jäger wurde gefragt, ob er von einem erlegten Wildschwein den Magen für eine Untersuchung zur Verfügung stellen könne.
Am nächsten Morgen wartete er tatsächlich stolz mit dem gewünschten Untersuchungsmaterial in der Hotellobby.
Zu unserer Suchgruppe gehörten glücklicherweise ein Tierarzt und eine Krankenschwester. Kurzerhand wurde der Wildschweinmagen im Kofferraum des Tierarztes geöffnet und untersucht.
Und tatsächlich:
Im Magen fanden sich Trüffelreste. Sie konnten als Hirschtrüffel bestimmt werden.
Vom Fund zur DNA – welche Trüffel haben wir entdeckt?
Bei rund 60 bislang nachgewiesenen Arten stellt sich zunehmend die Frage, ob sich unter zukünftigen Funden auch Arten befinden, die mit klassischen Methoden nicht eindeutig bestimmt werden können.
Deshalb sollen interessante und unklare Funde künftig bei Bedarf zusätzlich mittels DNA-Untersuchung und Sequenzierung überprüft werden.
Über portugiesische Trüffelfreunde der Forschungsgruppe Hypogäen und spanische Wissenschaftler stehen dafür Möglichkeiten zur weiterführenden Bestimmung zur Verfügung.
Das eröffnet neue Perspektiven: Neufunde für Brandenburg, seltene Arten und möglicherweise sogar wissenschaftlich bislang unbekannte Trüffeln.
Tuber honstrassii – wenn aus Suchen Entdecken wird
Dass solche Hoffnungen keineswegs unrealistisch sind, zeigen Forschungsarbeiten in Portugal. Dort gelangen im Umfeld der Forschungsgruppe Hypogäen mehrere bemerkenswerte Entdeckungen.
Eine wissenschaftlich neu beschriebene Trüffelart erhielt 2026 den Namen Tuber honstrassii – eine Würdigung langjähriger Forschungsarbeit an unterirdisch fruktifizierenden Pilzen.
Solche Erfahrungen machen neugierig:
Was wartet noch unentdeckt unter Brandenburgs Böden?
Trüffelanbau in Brandenburg – welches Potenzial besteht?
Neben der Erforschung natürlicher Trüffelvorkommen ist Brandenburg auch für den Trüffelanbau interessant.
Dabei darf jedoch nicht pauschal von einem ganzen Bundesland auf eine einzelne Fläche geschlossen werden. Entscheidend sind unter anderem Bodenart und Bodenaufbau, pH-Wert und Kalkversorgung, Wasserhaushalt, Mikroklima sowie die Auswahl geeigneter Trüffelarten und Wirtsbäume.
Geologische und bodenkundliche Karten können interessante Regionen erkennen lassen. Ob ein Grundstück tatsächlich für eine Trüffelplantage geeignet ist, muss jedoch durch eine konkrete Standort- und Bodenuntersuchung geklärt werden.
Die historischen und aktuellen Nachweise der Burgundertrüffel im Oderbruch zeigen jedenfalls: Tuber aestivum findet in Brandenburg geeignete natürliche Lebensbedingungen.
Vom Einzelkämpfer zum Forschungsnetzwerk
Mario Gohmerts rund 60 nachgewiesene Arten zeigen, was Ausdauer, Artenkenntnis und systematische Suche bewirken können.
Jetzt möchten wir den nächsten Schritt gehen.
Statt einzelner Trüffelsucher soll langfristig ein Netzwerk qualifizierter Bürgerforscher in Brandenburg entstehen. Menschen, die ihre Heimatregion kennen, regelmäßig suchen, Funde dokumentieren und ihr Wissen miteinander teilen.
Brandenburg bietet dafür mit seinen unterschiedlichen Landschaften und seiner großen Fläche ein gewaltiges Forschungsfeld.
Es fehlen nicht unbedingt die Trüffeln – es fehlen die Menschen, die nach ihnen suchen.
Werden Sie Trüffel-Bürgerforscher in Brandenburg
Sie haben bereits einen Kurs zur Trüffelsuche mit Hund besucht? Sie sind Pilzsammler oder Pilzkundler? Sie möchten Ihren Hund für die Trüffelsuche ausbilden? Oder Sie haben einfach Freude daran, etwas zu entdecken, was andere übersehen?
Dann machen Sie mit.
Wir vermitteln das notwendige Wissen und möchten gemeinsam mit engagierten Bürgerforschern die Trüffelkarte Brandenburgs Stück für Stück vervollständigen.
Suchen. Finden. Bestimmen. Kartieren.
Vielleicht beginnt die nächste große Trüffelentdeckung direkt vor Ihrer Haustür.
Fragen und Antworten
Klicken Sie einfach auf das Pluszeichen (+), um die Antwort lesen zu können.
Gibt es Burgundertrüffeln in Brandenburg?
Ja. Aus dem Oderbruch sind historische Vorkommen bekannt. In jüngerer Zeit konnte die Forschungsgruppe Hypogäen dort erneut Burgundertrüffeln (Tuber aestivum) nachweisen.
Wie viele Trüffelarten gibt es in Brandenburg?
Eine abschließende Zahl kennen wir noch nicht. Allein Mario Gohmert konnte inzwischen rund 60 verschiedene Hypogäen-Arten in Berlin und Brandenburg nachweisen. Die tatsächliche Artenvielfalt dürfte weitere Forschungsarbeit erfordern.
Wo wachsen Trüffeln in Brandenburg?
Trüffeln benötigen geeignete Böden, Wirtsbäume und ökologische Bedingungen. Historische und aktuelle Nachweise liegen unter anderem aus dem Oderbruch vor. Viele andere Gebiete sind bislang jedoch nicht ausreichend systematisch untersucht.
Wie werde ich Trüffel-Bürgerforscher?
Die Ausbildung verbindet Kenntnisse über Trüffeln, Böden, Wirtsbäume und Begleitpilze mit praktischer Sucharbeit. Ziel ist, geeignete Standorte selbständig zu erkennen, systematisch zu untersuchen und Funde nachvollziehbar zu dokumentieren.
Brauche ich einen eigenen Trüffelhund?
Nein. Hundeführer sind für die gezielte Suche besonders wichtig, aber auch Bürgerforscher ohne Hund können Standorte beurteilen, Zeigerpilze erkennen, Flächen kartieren und Forschungsarbeit dokumentieren.
Eignet sich Brandenburg für Trüffelanbau?
Das hängt von der jeweiligen Fläche ab. Bodenaufbau, pH-Wert, Kalkversorgung und Wasserhaushalt sind wichtige Faktoren. Vor der Anlage einer Trüffelplantage sollte deshalb immer eine fachgerechte Standort- und Bodenprüfung erfolgen.
Kann mein Hund Trüffelsuche lernen?
Viele Hunde können an die Geruchssuche herangeführt werden. In einem Einführungskurs lernen Hund und Halter zunächst die Grundlagen. Darauf kann eine weiterführende Ausbildung für die praktische Feldforschung aufbauen
ch habe bereits einen Trüffelkurs besucht. Wie kann ich weitermachen?
IGenau solche Hundeführer möchten wir erreichen. Vorhandene Grundkenntnisse können vertieft und anschließend bei echter Forschungsarbeit eingesetzt werden. Aus der trainierten Geruchssuche wird so systematische Trüffelforschung.
Kann man Trüffeln ohne Hund suchen?
Ja. Bodenverhältnisse, Vegetation, geeignete Wirtsbäume und bestimmte oberirdisch wachsende Pilze können Hinweise auf potenzielle Trüffelstandorte liefern. Darauf baut unser Ausbildungsangebot zur Trüffelsuche ohne Hund auf.
Warum untersucht man einen Wildschweinmagen auf Trüffeln?
Wildschweine suchen und fressen unterirdisch wachsende Pilze. Bei einer Forschungsaktion in Brandenburg wurden tatsächlich Reste von Hirschtrüffeln im Magen eines erlegten Wildschweins gefunden. Solche Beobachtungen können zusätzliche Hinweise auf vorhandene Hypogäen liefern.
Was passiert mit ungewöhnlichen Trüffelfunden?
Funde werden dokumentiert und fachlich bestimmt. Bei besonders interessanten oder unklaren Exemplaren können zusätzlich DNA-Untersuchungen und Sequenzierungen zur Bestimmung eingesetzt werden.
Können in Brandenburg noch unbekannte Arten entdeckt werden?
Das ist nicht vorhersehbar, aber durchaus eine spannende Forschungsfrage. Je systematischer geeignete Lebensräume untersucht werden, desto größer ist die Chance auf seltene Arten oder regionale Neufunde.