Trüffel im Salzlandkreis – vier Arten in den Auen der Saale
Verborgene Schätze der Saale-Auen: Wie der Salzlandkreis überraschend zur Trüffelregion wurde
Der Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt ist eine ausgeprägte Agrarregion. Von rund 142.755 Hektar Gesamtfläche werden etwa 100.156 Hektar landwirtschaftlich genutzt. Fruchtbare Böden der Magdeburger Börde ermöglichen einen intensiven Ackerbau mit Winterweizen, Zuckerrüben, Gerste, Raps, Mais, Kartoffeln und zunehmend auch Sonnenblumen.
Doch eine für uns besonders interessante Geschichte des Salzlandkreises spielt sich nicht auf den großen Äckern ab, sondern unter der Erde in den Auen der Saale.
Vor rund zehn Jahren untersuchte ein Suchteam der Forschungsgruppe Hypogäen (FGH) gezielt die Auwaldbereiche zwischen Alsleben und Bernburg. Gesucht wurde die Großsporige Trüffel (Tuber macrosporum).
Die Suche war erfolgreich. Doch dabei blieb es nicht: In den Hartholzauen fanden wir außerdem Burgundertrüffeln (Tuber aestivum), Rotbraune Trüffeln (Tuber rufum) und Wintertrüffeln (Tuber brumale).
Vier Tuber-Arten in einem Untersuchungsraum – ein guter Grund, die Trüffelwelt des Salzlandkreises genauer zu betrachten.
Salzlandkreis – Landwirtschaft auf mehr als 100.000 Hektarn
Rund 178.773 Einwohner leben im Salzlandkreis. Der Landwirtschaft kommt bei einer Nutzfläche von etwa 100.156 Hektar eine herausragende Bedeutung zu. Demgegenüber stehen nur rund 10.500 Hektar Wald.
Besonders die fruchtbaren Lössböden der Börde werden intensiv ackerbaulich genutzt. Winterweizen, Zuckerrüben und Gerste gehören ebenso zum Landschaftsbild wie Raps, Mais und Kartoffeln.
Doch hohe landwirtschaftliche Ertragsfähigkeit bedeutet nicht automatisch, dass ein Boden auch für Burgundertrüffeln geeignet ist.
Trüffelanbau stellt andere Anforderungen an Boden, Wasserhaushalt, freien Kalk und Kulturführung als der klassische Ackerbau. Deshalb interessiert uns nicht die Frage, welcher Boden „der beste“ ist, sondern:
Welche Fläche bietet die Voraussetzungen, aus denen sich eine produktive Trüffelkultur entwickeln lässt?
Die geologische Karte sagte wenig – die Saale erzählte eine andere Geschichte
Bei der Vorbereitung unserer damaligen Trüffelsuche ergab sich eine interessante Situation.
Die großräumige geologische Betrachtung lieferte zunächst keine besonders auffälligen Hinweise auf den von uns gesuchten Standort. Doch Flusslandschaften müssen anders gelesen werden.
Die Saale durchfließt auf ihrem Weg zahlreiche kalkhaltige Landschaften. Mit dem transportierten und bei Hochwasser abgelagerten Material können in den Überschwemmungsbereichen Bodenverhältnisse entstehen, die sich deutlich vom geologischen Ausgangsgestein des unmittelbaren Umlandes unterscheiden.
Genau diese Überlegung führte uns vor rund zehn Jahren in die Auwaldbereiche zwischen Alsleben und Bernburg.
Geologie endet nicht an der Farbe auf der Karte
Für die Trüffelsuche bedeutet das: Eine geologische Karte ist Ausgangspunkt – nicht Endpunkt einer Untersuchung.
Topografie, Flussdynamik, Ablagerungen, Boden, Vegetation und Ektomykorrhizapartner müssen gemeinsam betrachtet werden.
Die Landschaft selbst liefert zusätzliche Informationen.
Auf der Suche nach Tuber macrosporum – und vier Trüffelarten gefunden
Unser damaliges Suchziel war klar definiert: Wir wollten prüfen, ob die Großsporige Trüffel (Tuber macrosporum) in den Auwaldbereichen zwischen Alsleben und Bernburg vorkommt.
Die gezielte Suche bestätigte unsere Vermutung.
Tuber macrosporum konnte nachgewiesen werden.
Doch unsere Hunde fanden in den Hartholzauen weitere unterirdisch fruktifizierende Pilze. Dazu gehörten:
Burgundertrüffel (Tuber aestivum) – Wintertrüffel (Tuber brumale) – Rotbraune Trüffel (Tuber rufum) – Großsporige Trüffel (Tuber macrosporum)
Damit wurde aus der Suche nach einer einzelnen Art zugleich ein kleiner Einblick in die unterirdische Pilzwelt der Saaleauen.
Der Lödderitzer Forst – Auenwald und historische Trüffelregion
Zu den bedeutenden Auenlandschaften des Salzlandkreises gehört der Lödderitzer Forst. In einer ansonsten ausgesprochen waldarmen Agrarregion bilden solche Hartholzauen besondere ökologische Räume.
Für uns ist der Bereich noch aus einem anderen Grund interessant: Der Lödderitzer Forst ist auch historisch mit Trüffelvorkommen verbunden.
Solche historischen Hinweise sind für unsere Arbeit wertvoll. Sie werden aber nicht einfach als Beweis für heutige Vorkommen übernommen.
Sie liefern eine Spur.
Diese Spur kann anschließend mit historischen Quellen, aktuellen Karten, Vegetation, Standortökologie und schließlich praktischer Feldarbeit überprüft werden.
Burgundertrüffeln im Salzlandkreis – wie groß ist ihr tatsächliches Verbreitungsgebiet?
Unsere damalige Untersuchung hatte ein spezielles Ziel und konzentrierte sich auf ausgewählte Auwaldbereiche.
Eine systematische Kartierung der Burgundertrüffel im gesamten Salzlandkreis haben wir bislang nicht durchgeführt.
Deshalb wäre es falsch, aus den bisherigen Funden bereits Aussagen über ihre flächige Verbreitung abzuleiten.
Viel spannender ist die offene Frage:
Wo wachsen im Salzlandkreis noch Trüffeln, nach denen bislang niemand gezielt gesucht hat?
Eine Aufgabe für zukünftige Bürgerforscher
Ortskundige Pilzfreunde können dabei eine wichtige Rolle übernehmen. Sie kennen Gehölze, Feldwege, Parks, Auen, Böden und Pilzvorkommen ihrer Region.
In der Bürgerforscher-Ausbildung lernen sie, dieses Wissen mit Geologie, Topografie und Pilzökologie zu verbinden, daraus neue potenzielle Untersuchungsgebiete selbstständig auszuwählen und diese anschließend mit ausgebildeten Trüffelhunden zu kontrollieren.
Dabei gilt unser Grundsatz:
Bürgerforscher sollen entdecken – nicht bekannte Fundstellen absuchen.
Streuobstwiesen und Trüffelkultur – zwei Pilzsysteme auf einer Fläche?
Der Erwerbsobstbau ist im Salzlandkreis rückläufig. Gleichzeitig existieren noch Obstflächen und private Streuobstbestände.
Hier eröffnet sich eine interessante Überlegung.
Die klassischen Obstgehölze wie Apfel, Birne, Kirsche oder Pflaume gehören nicht zu den Ektomykorrhizapartnern der Burgundertrüffel. Sie bilden überwiegend arbuskuläre Mykorrhizen, die früher häufig als Endomykorrhiza bezeichnet wurden.
Burgundertrüffeln benötigen dagegen geeignete ektomykorrhizafähige Baum- oder Strauchpartner, beispielsweise Hasel, Hainbuche, Eiche oder Linde.
Das eröffnet grundsätzlich die Möglichkeit, über neu konzipierte Kultursysteme nachzudenken, in denen vorhandene oder neue Obststrukturen durch geeignete Trüffelpartner ergänzt werden.
Erst prüfen – dann kombinieren
Daraus sollte jedoch nicht abgeleitet werden, dass jede bestehende Streuobstwiese einfach mit Trüffelbäumen ergänzt werden kann.
Wasser- und Nährstoffkonkurrenz, Beschattung, Pflanzabstände, Bewirtschaftung und vor allem die Bodenverhältnisse müssen berücksichtigt werden. (Die Trüffelkulturen sind hier völlig in der Obstbaumanlage integriert. Die ersten Trüffeln meldeten sich im 5. Standjahr)
Interessant ist nicht die bloße Kombination von Obst und Trüffeln – sondern ein funktionierendes Gesamtsystem.
Vom Acker zur Trüffelkultur – neue Wertschöpfung auf geeigneten Teilflächen
Bei mehr als 100.000 Hektar Landwirtschaft geht es beim Trüffelanbau nicht darum, den klassischen Ackerbau des Salzlandkreises infrage zu stellen.
Die interessantere Frage lautet:
Gibt es geeignete Teilflächen, auf denen eine hochwertige Trüffelkultur zusätzliche Wertschöpfung schaffen könnte?
Anders als eine einjährige Ackerkultur wird eine Trüffelkultur langfristig etabliert. Die gepflanzten Bäume und Sträucher sind notwendige Symbiosepartner. Das eigentliche Produktionsziel liegt unter der Erde.
Trüffelanbau ist Pilzwirtschaft
Wer Trüffeln anbauen will, muss deshalb lernen, vom Pilz aus zu denken.
Mykorrhiza, Mycel, Boden, Wasser, Baumpartner, Begleitpilze und Kulturführung bilden ein biologisches System.
Nicht möglichst viel Fläche bepflanzen, sondern geeignete Flächen so entwickeln und bewirtschaften, dass eine hohe und langfristig stabile Trüffelproduktion möglich wird.
Trüffelbäume im Salzlandkreis – einige stehen bereits in der Region
Auch wenn bislang noch keine umfassende Kartierung der natürlichen Burgundertrüffelvorkommen durchgeführt wurde, hat der kultivierte Trüffelanbau im Salzlandkreis bereits begonnen.
Von uns wurden bereits Trüffelbäumchen an Interessenten in der Region geliefert.
Damit beginnt die entscheidende Phase jedoch erst.
Ein mykorrhiziertes Trüffelbäumchen allein macht noch keine produktive Trüffelplantage. Entscheidend ist, ob sich der gewünschte Trüffelpilz nach der Pflanzung im Boden etablieren und gegenüber anderen Pilzen behaupten kann.
Deshalb gehören Standortprüfung, Bodenvorbereitung und langfristige Kulturführung zu einem professionellen Trüffelanbau.
Erst den Boden verstehen – dann eine Trüffelplantage anlegen
Gerade die Geschichte unserer Suche in den Saaleauen zeigt, warum die Betrachtung des Bodens so wichtig ist.
Großräumige Karten können Hinweise liefern. Die tatsächlichen Bedingungen können sich vor Ort jedoch deutlich unterscheiden.
Vor der Anlage einer Trüffelplantage im Salzlandkreis sollten deshalb unter anderem Bodenaufbau, pH-Wert, freier Kalk, Wasserhaushalt, Durchlüftung und Durchwurzelbarkeit untersucht werden.
Erst danach lässt sich entscheiden, ob eine Fläche geeignet erscheint und welche Vorbereitung erforderlich ist.
Standort untersuchen → Boden bewerten → Kultur planen → gegebenenfalls Boden entwickeln → geeignete Trüffelbäumchen auswählen → Trüffelkultur etablieren.
Das Thüringer Modell® – den Pilz in den Mittelpunkt stellen
Beim Thüringer Modell® betrachten wir eine Trüffelplantage nicht als Ansammlung mykorrhizierter Bäume.
Sie ist ein zusammenhängendes Produktionssystem.
Standort, Boden, Trüffelart, Pflanzmaterial, Mykorrhiza, Baum- und Strauchpartner, Pflanzabstände, Wasserversorgung, Vegetationsmanagement, Bodenpflege, Kontrolle, Hundearbeit und spätere Ernte werden aufeinander abgestimmt.
Der Baum ist dabei notwendiger Partner.
Produziert werden sollen Trüffeln.
Frische Trüffeln kaufen – Regionalität beginnt bei der Ernte
Eine hochwertige Burgundertrüffel braucht keine lange Zutatenliste.
Entscheidend sind Reife, Frische, Qualität und der richtige Umgang in der Küche.
In produktiven Kulturen werden die unterirdischen Fruchtkörper von ausgebildeten Trüffelhunden lokalisiert, gezielt entnommen und anschließend kontrolliert.
Für Gastronomie, Direktvermarkter und private Genießer bietet regionaler Trüffelanbau einen entscheidenden Vorteil: kurze Wege zwischen Ernte und Küche.
Bis die ersten Kulturen des Salzlandkreises entsprechende Mengen liefern, können bereits heute frische Burgundertrüffeln aus unserem mitteldeutschen Anbau bezogen werden.
Eigene Trüffelplantage im Salzlandkreis – was kann Ihre Fläche?
Die fruchtbaren Böden des Salzlandkreises sind für die Landwirtschaft wertvoll. Ob eine bestimmte Fläche auch für eine Burgundertrüffelkultur geeignet ist, muss jedoch gesondert untersucht werden.
Deshalb sollte der erste Schritt nicht der Kauf von Trüffelbäumen sein.
Der erste Schritt lautet:
Die Fläche kennenlernen.
Aus Standortprüfung und Bodenuntersuchung lässt sich ableiten, ob eine Trüffelkultur sinnvoll erscheint, welche Vorbereitung notwendig wäre und welche Baum- oder Strauchpartner infrage kommen.
So wird aus der Idee „Ich möchte Trüffeln anbauen“ ein planbares landwirtschaftliches Projekt.
FAQ – Trüffel und Trüffelanbau im Salzlandkreis
Gibt es im Salzlandkreis wild wachsende Trüffeln?
Ja. Bei einer gezielten Untersuchung der Saaleauen zwischen Alsleben und Bernburg konnte unser Suchteam mehrere Tuber-Arten nachweisen. Dazu gehörten Tuber macrosporum, Tuber aestivum, Tuber brumale und Tuber rufum.
Wächst die Burgundertrüffel im Salzlandkreis?
Wir haben Tuber aestivum in den untersuchten Hartholzauen nachgewiesen. Eine systematische Kartierung des gesamten Landkreises auf natürliche Burgundertrüffelvorkommen haben wir bislang jedoch nicht durchgeführt.
Warum können gerade Flussauen für Trüffeln interessant sein?
Flüsse transportieren und verlagern mineralisches Material. Dadurch können Auenböden andere Eigenschaften besitzen, als eine großräumige geologische Karte zunächst vermuten lässt. Entscheidend sind immer die konkreten Standortbedingungen.
Welche Trüffel wurde damals gezielt gesucht?
Ziel der Untersuchung war die Großsporige Trüffel, Tuber macrosporum. Sie konnte nachgewiesen werden. Zusätzlich fanden wir weitere Arten der Gattung Tuber.
Sind die fruchtbaren Lössböden der Börde automatisch für Burgundertrüffeln geeignet?
Nein. Ein hervorragender Ackerboden ist nicht automatisch ein geeigneter Trüffelboden. Die Anforderungen des Trüffelpilzes müssen unabhängig von der klassischen landwirtschaftlichen Ertragsfähigkeit untersucht werden.
Kann eine Streuobstwiese mit Trüffelanbau kombiniert werden?
Das kann als neues Kultursystem interessant sein, muss aber individuell geplant werden. Klassische Obstbäume sind keine Ektomykorrhizapartner der Burgundertrüffel. Für den Trüffelpilz müssen deshalb geeignete Partnergehölze integriert und Boden, Wasser, Abstände und Konkurrenzverhältnisse berücksichtigt werden.
Gibt es bereits Trüffelbäume im Salzlandkreis?
Ja. Von uns wurden bereits mykorrhizierte Trüffelbäumchen an Interessenten in der Region verkauft. Über den späteren Erfolg entscheidet jedoch nicht allein das Pflanzmaterial, sondern das gesamte Kultursystem.
Kann man jeden Acker für Trüffelanbau vorbereiten?
Nein. Manche Flächen lassen sich mit vertretbarem Aufwand entwickeln, andere nicht. Deshalb steht vor jeder größeren Investition eine fachgerechte Standort- und Bodenuntersuchung.
Wie findet man neue natürliche Trüffelvorkommen?
Unsere Bürgerforscher lernen, potenzielle Untersuchungsgebiete anhand von Geologie, Topografie, Vegetation, Bodenmerkmalen und Pilzökologie selbstständig auszuwählen. Erst danach werden diese neuen Suchräume mit ausgebildeten Trüffelhunden kontrolliert.
Wie beginne ich mit dem Trüffelanbau im Salzlandkreis?
Mit der vorgesehenen Fläche. Standort und Boden werden untersucht, danach folgen Anbaukonzept, gegebenenfalls Bodenentwicklung, Auswahl geeigneter mykorrhizierter Gehölze, Pflanzung und langfristige Kulturführung.
Sie haben noch weitere Fragen zum Trüffelanbau?
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