Trüffel im Landkreis Northeim – von historischen Trüffeljägern zum modernen Trüffelanbau

Wo alles losging: Pioniere im Trüffelanbau

Landkreis Northeim – eine Wiege der modernen Trüffelsuche in Deutschland


Der Landkreis Northeim gehört zu den Regionen Deutschlands, in denen sich Vergangenheit, Wiederentdeckung und Zukunft der Trüffel besonders eindrucksvoll miteinander verbinden. Rund um Dassel, Einbeck und angrenzende Gebiete wurden Trüffeln früher gesammelt und gehandelt – bis dieses Wissen weitgehend verloren ging.

Ab 2011 begann hier ein neues Kapitel. Aus ersten Suchversuchen mit ausgebildeten Hunden entwickelte sich eine systematische Erforschung unterirdisch wachsender Pilze. Die Erfahrungen aus natürlichen Trüffelstandorten flossen später auch in die Entwicklung des professionellen Trüffelanbaus in Deutschland ein.

Heute stellt sich deshalb nicht mehr die Frage, ob Trüffeln in der Region grundsätzlich vorkommen. Für Landwirte, Flächeneigentümer und andere Interessierte ist vielmehr spannend: Welche Standorte eignen sich für eine wirtschaftlich ausgerichtete Trüffelkultur – und wie muss eine solche Kultur geführt werden?

Landwirtschaft und Landschaft – gute Voraussetzungen genau prüfen

Mit rund 126.876 Hektar Fläche ist der Landkreis Northeim stark von Landwirtschaft und Wald geprägt. Nach amtlichen Angaben werden etwa 57.935 ha landwirtschaftlich genutzt; rund 46.900 ha sind Wald. Die Landwirtschaft ist insbesondere durch Ackerbau mit Winterweizen, Wintergerste, Raps, Zuckerrüben und Silomais geprägt. Im Leinetal kommt regional Obstbau hinzu.

Diese Flächenausstattung macht den Landkreis grundsätzlich interessant für neue landwirtschaftliche Nutzungskonzepte. Für den Trüffelanbau reicht jedoch weder eine günstige Landschaft noch ein vermeintlich „kalkreicher Boden“. Entscheidend ist das Zusammenspiel zahlreicher Standortfaktoren – unter anderem Bodenaufbau, freier Kalk, pH-Wert, Wasserhaushalt, Exposition, Mikroklima und die Entwicklung des Pilzes mit seinem Ektomykorrhizapartner.

Eine Trüffelkultur beginnt deshalb nicht mit dem Kauf eines Bäumchens, sondern mit der fachlichen Prüfung des Standortes.

2011 – eine Burgundertrüffel verändert die deutsche Trüffelsuche

Die Vorgeschichte begann ohne Trüffelhund. Dieter, der Leiter und  Pilzlehrer der Pilzschule hatte bereits etwa 43 unterirdisch fruktifizierende Pilzarten gefunden. Was fehlte, waren Mitstreiter, die sich systematisch mit der Suche nach Hypogäen beschäftigen wollten.

Das änderte sich mit Jochen und Bärbel Schöttker aus Hamburg. Im August 2010 kam die junge Lagotto-Romagnolo-Hündin Lisa zu ihnen. Dieter wurde gewissermaßen ihr „Patenonkel“ und bereitete für Lisa immer wieder Trainingsstrecken mit gekauften Trüffeln vor.

Im März 2011 waren sechs Pilzschüler eine Woche lang im Landkreis Northeim unterwegs. Eigentlich ging es um etwas ganz anderes: Potenzielle Morchelstandorte sollten Wochen vor der Morchelsaison erkannt und bewertet werden. Genau diese Übung sollte zeigen, wie man Landschaft liest und vielversprechende Pilzstandorte systematisch erkennt.

Dann kam alles anders.

Der erste Fund durch einen ausgebildeten Trüffelhund



Während einer Erkundungsfahrt fiel aus dem Auto heraus ein interessanter Bereich bei Bad Gandersheim auf. Die geplante Route wurde spontan verlassen, um den vermeintlichen Morchelstandort genauer anzusehen. Bärbel Schöttker wollte dort zunächst ein Stück mit Lisa spazieren gehen.

Dann kam die Überraschung: Lisa zeigte eine Burgundertrüffel an.

Damit gelang ein entscheidender Nachweis: Ein gezielt auf Trüffel trainierter Hund hatte in der Region eine wild wachsende Burgundertrüffel gefunden. Aus einem Trainingsprojekt wurde plötzlich praktische Trüffelforschung.

Einen Tag später – die zweite Trüffel bei Dassel


Schon am folgenden Tag wiederholte sich die Geschichte. Bei einer Erkundung nahe Dassel erschien eine Waldecke aus pilzökologischer Sicht auffällig. Bärbel erhielt den Auftrag, den Bereich mit Lisa abzusuchen, während die Gruppe zunächst zurückblieb.

Kaum dort angekommen, zeigte Lisa erneut an.

Die zweite Trüffel war gefunden.

Damit wurde aus einem überraschenden Einzelfund ein ernst zu nehmender Hinweis: Die historischen Trüffelgebiete der Region waren keineswegs verschwunden.



Rätselhafte Zeichen an Buchen – Spuren früherer Trüffeljäger?

Am Abend fiel mir auf einem Foto der zweiten Fundstelle eine ungewöhnliche Markierung an einer Rotbuche auf. Meine Vermutung: Könnte hier ein früherer Trüffeljäger seinen Fundplatz gekennzeichnet haben?

Zunächst glaubte niemand so recht daran.

Doch Günther Schier aus der Umgebung von Dassel recherchierte weiter und entdeckte zwei ähnliche Markierungen. Bei einer späteren Kontrolle mit Lisa wurden auch dort Trüffeln gefunden.

Ob diese Zeichen tatsächlich von historischen Trüffeljägern stammen, lässt sich heute nicht zweifelsfrei beweisen. Die Übereinstimmung zwischen Markierungen und Trüffelfundstellen machte sie jedoch zu einem faszinierenden Bestandteil unserer Spurensuche nach der fast vergessenen Trüffeltradition im Raum Dassel und Einbeck.

Im April 2011 beginnt die professionelle Trüffelsuche mit Hund

Nur etwa zwei Wochen nach diesen Entdeckungen fand Anfang April 2011 im Landhaus Greene der erste Kurs „Trüffelsuche mit Hund“ statt. Neben Jochen und Bärbel Schöttker nahmen unter anderem Dr. Ernst Kesten aus Negenborn sowie Gunter Kahlo mit seiner Hündin Frida aus Eilenburg und Dr. Monika Körner aus Stroit teil.

Bereits bei der zweiten Veranstaltung war das Fernsehen dabei.

Bis Ende 2013 folgten 32 weitere Veranstaltungen. 37 ausgebildete Teilnehmer hatten bis dahin gemeinsam rund 2.000 Trüffelstellen allein in Niedersachsen nachgewiesen.

Aus einigen Teilnehmern wurden intensive Trüffelkartierer, aus anderen Trüffelanbauer oder Unternehmer. Was im Landkreis Northeim mit ersten Hundetrainings begann, entwickelte sich damit innerhalb weniger Jahre zu einem Netzwerk praktischer Trüffelforschung.

Trüffelhändler Drechsler – als Trüffeln noch kiloweise gehandelt wurden

Besonders spannend wurden die historischen Recherchen von Jochen Schöttker. Dabei stießen wir auf Unterlagen des früheren Trüffelhändlers Drechsler in Everode.

Wareneingangs- und Warenausgangsbücher dokumentieren einen Trüffelhandel, dessen Größenordnung heute überrascht: Nach den Ihnen vorliegenden historischen Unterlagen erreichte der Jahresumsatz zeitweise etwa 1.000 Kilogramm Trüffeln. Einzelne Trüffeljäger – viele davon aus Hohenbüchen bei Delligsen – lieferten in guten Jahren mehr als 100 Kilogramm beim Händler ab. Hinzu kamen Direktverkäufe an Gaststätten und Schlachtereien.

Damit wird deutlich: Trüffeln waren in Südniedersachsen keineswegs nur eine botanische Kuriosität. Sie waren zeitweise ein regionales Wirtschaftsgut.

Ellen Heise – eine Zeitzeugin der alten Trüffeljagd

Eine besondere Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart entstand durch Ellen Heise geb. Lehmensiek. Günther Schier machte die damals 86-Jährige als eine der letzten Zeitzeuginnen der früheren Trüffelsuche ausfindig.

Sie erinnerte sich, wie sie als Kind nach der Schule ihre Großväter bei der Trüffeljagd im Raum Dassel und Einbeck begleiten durfte. Besonders lebendig blieb ihr die Erinnerung daran, Trüffeln für eine Prinzessin einzupacken und zu adressieren.

Zur Hochzeit 1947 erhielt sie sogar einen Hund, um selbst wieder nach Trüffeln zu suchen. Doch ihre Suche blieb erfolglos. Über Jahrzehnte entstand so die Überzeugung, die Trüffeln seien verschwunden.

Unsere späteren Untersuchungen zeigten etwas anderes: In den von ihr beschriebenen Gebieten konnten wieder Trüffeln nachgewiesen werden.

Als Günther Schier ihr schließlich frisch gefundene Trüffeln brachte, schloss sich nach Jahrzehnten ein Kreis.

Naturstandorte als Lehrmeister für den Trüffelanbau

Die zahlreichen Naturfunde hatten für uns noch eine zweite Bedeutung. Jeder neu entdeckte Standort lieferte Informationen darüber, unter welchen Bedingungen Trüffeln tatsächlich leben und fruktifizieren.

Welche Böden werden besiedelt? Welche Baum- und Strauchpartner treten auf? Welche Bedeutung haben Kalk, Wasserhaushalt, Konkurrenzpilze, Vegetation, Exposition und Mikroklima?

Damit wurden natürliche Trüffelstandorte zu Freilandlaboren.

Wer erfolgreichen Trüffelanbau in Niedersachsen betreiben möchte, sollte deshalb nicht allein vom Baum ausgehen. Angebaut wird letztlich der Pilz. Der Baum ist der notwendige Ektomykorrhizapartner, mit dessen Hilfe sich eine dauerhaft produktive Trüffelkultur entwickeln soll.

Warum ein mykorrhiziertes Trüffelbäumchen allein nicht genügt

Gerade die Erfahrungen aus frühen Trüffelanlagen zeigen, wie groß der Unterschied zwischen dem Pflanzen eines Baumes und dem Etablieren einer Trüffelkultur ist.

Teilnehmer der FGH Kurse „Trüffelsuche mit Hund“ und „Pilz- und Trüffelanbau“ legten später kleinere und größere Anlagen an – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Ein mykorrhiziertes Bäumchen in kalkhaltigen Boden zu setzen, schafft noch keine produktive Trüffelplantage.

Ein besonders anschauliches regionales Beispiel bei Drüber ist eine etwa 1,7 ha große Anlage ehemaliger Teilnehmer, die nach eigenen Angaben im zehnten Standjahr lediglich rund 12 kg Trüffeln erreichte.

Solche Beispiele zeigen, dass erfolgreicher Trüffelanbau weit mehr verlangt: Pilzbiologie, Kontrolle der Mykorrhiza, Standortverständnis, Wasserführung, Bodenmanagement und eine konsequente Kulturführung über viele Jahre.

Trüffelanbau im Landkreis Northeim – neue Nutzung für landwirtschaftliche Flächen

Für landwirtschaftliche Betriebe und Flächeneigentümer kann eine Trüffelkultur eine interessante langfristige Form der Diversifizierung sein. Dabei sollte die Frage nicht lauten:

„Kann ich auf meinem Grundstück einen Trüffelbaum pflanzen?“

Sondern:

„Kann auf dieser Fläche eine leistungsfähige Trüffelkultur etabliert werden?“

Genau deshalb beginnt eine professionelle Planung mit der Standortbewertung. Erst danach folgen Baum- und Trüffelart, Pflanzsystem, Bodenvorbereitung, Bewässerung und langfristiges Kulturmanagement.

Aus den Erkenntnissen natürlicher Trüffelstandorte, eigenen Forschungsanlagen und praktischer Plantagenarbeit haben wir unser heutiges Anbauverfahren weiterentwickelt.

Vom Acker zur Trüffelkultur


Eine Trüffelanlage ist eine langfristige landwirtschaftliche Kultur. Vor der Pflanzung müssen deshalb die entscheidenden Voraussetzungen geklärt werden.

Wir begleiten Projekte von der Standort- und Bodenbewertung über die Planung und Anlage bis zur Betreuung der etablierten Trüffelkultur. Ziel ist nicht, möglichst viele Bäumchen zu verkaufen, sondern die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich der gewünschte Trüffelpilz dauerhaft durchsetzt und später wirtschaftlich relevante Erträge hervorbringen kann.


Vom Naturfund zum modernen Trüffelanbau

Der Landkreis Northeim besitzt damit für Ihre Gesamtgeschichte eine besondere Stellung: Hier trafen historische Trüffeltradition, moderne Trüffelsuche mit Hund und die Entwicklung des heutigen Trüffelanbaus unmittelbar aufeinander.

Die Entdeckungen ab 2011 halfen, ein fast vergessenes Kapitel wieder sichtbar zu machen. Gleichzeitig lieferten die Naturstandorte wertvolle Erkenntnisse für die Frage, wie Trüffeln leben und welche Bedingungen für eine produktive Kultur geschaffen werden müssen.

Aus dem Suchen wurde Forschen.
Aus dem Forschen wurde Lernen.
Und aus diesem Wissen entwickelte sich moderner Trüffelanbau.

Sie besitzen eine Fläche im Landkreis Northeim?

Ob Acker, Grünland, ehemalige Obstbaufläche oder eine andere landwirtschaftliche Fläche: Am Anfang sollte immer geklärt werden, ob der Standort für eine Trüffelkultur geeignet ist und welcher Aufwand für eine erfolgreiche Etablierung erforderlich wäre.

Wir unterstützen Interessenten bei Standortbewertung, Planung, Pflanzenauswahl, Anlage und Betreuung einer professionellen Trüffelkulturr.

Eigene Fläche prüfen lassen → Beratung zum Trüffelanbau Vom Grundstück zur Trüffelplantage → Möglichkeiten kennenlernen

FAQs zum Trüffelanbau im Landkreis Northeim

  • Wachsen im Landkreis Northeim Trüffeln?

    Ja. In der Region wurden natürliche Trüffelvorkommen nachgewiesen. Besonders bedeutsam waren die systematischen Untersuchungen ab 2011 mit ausgebildeten Trüffelhunden. Historische Quellen und Zeitzeugen belegen zudem eine wesentlich ältere Trüffeltradition im südlichen Niedersachsen.

  • Gibt es Burgundertrüffeln bei Dassel und Einbeck?

    Ja. Im Zuge der modernen Trüffelsuche wurden in den von historischen Überlieferungen beschriebenen Gebieten rund um Dassel und Einbeck wieder Trüffeln nachgewiesen. Die Region ist deshalb sowohl historisch als auch mykologisch besonders interessant.

  • Seit wann werden im Landkreis Northeim wieder Trüffeln gesucht?

    Ein wichtiger Neubeginn erfolgte 2011. Die Lagotto-Romagnolo-Hündin Lisa fand während einer Weiterbildungsveranstaltung eine Burgundertrüffel und kurz darauf einen weiteren Standort bei Dassel. Diese Funde gehörten zu den Ausgangspunkten einer systematischen Trüffelsuche mit Hunden.

  • Wurden früher in Südniedersachsen viele Trüffeln gesammelt?

    Historische Geschäftsunterlagen des Trüffelhändlers Möhle aus Everode weisen nach Ihren Unterlagen zeitweise einen Jahresumsatz von etwa 1.000 kg aus. Einzelne Trüffeljäger lieferten in guten Jahren mehr als 100 kg beim Händler ab. Hinzu kamen Direktverkäufe.

  • Kann man im Landkreis Northeim Trüffeln anbauen?

    Grundsätzlich kommen Flächen im Landkreis für den Trüffelanbau infrage. Ob ein konkretes Grundstück geeignet ist, muss jedoch individuell geprüft werden. Entscheidend sind unter anderem Boden, Kalkversorgung, pH-Wert, Wasserhaushalt, Exposition und weitere Standortbedingungen.

  • Reicht kalkhaltiger Boden für eine Trüffelplantage aus?

    Nein. Kalk ist ein wichtiger Standortfaktor, aber keinesfalls eine Erfolgsgarantie. Eine produktive Trüffelkultur entsteht erst durch das Zusammenspiel von Pilz, Baumpartner, Boden, Wasser, Mikroklima und einer langfristig auf den Pilz ausgerichteten Kulturführung.

  • Reicht es, mykorrhizierte Trüffelbäume zu pflanzen?

    Nein. Der Kauf hochwertiger mykorrhizierter Pflanzen ist nur ein Baustein. Entscheidend ist, ob sich der gewünschte Trüffelpilz nach der Pflanzung am Standort behauptet, weiterentwickelt und schließlich Fruchtkörper bildet. Deshalb sprechen wir bewusst vom Etablieren einer Trüffelkultur.

  • Welche Flächen eignen sich für den Trüffelanbau?

    Geeignet können beispielsweise landwirtschaftliche Flächen oder andere entsprechend nutzbare Grundstücke sein. Eine pauschale Beurteilung nach Flächentyp ist jedoch nicht sinnvoll. Vor einer Investition sollte der konkrete Standort fachlich untersucht werden.

  • Wie lange dauert es bis zur ersten Trüffelernte?

    Die Entwicklung hängt stark von Standort, Pflanzmaterial und Kulturführung ab. Deshalb sollte eine feste Erntegarantie nach einer bestimmten Jahreszahl kritisch betrachtet werden. Ziel eines professionellen Anbaus ist es, die biologischen Voraussetzungen für eine möglichst frühe und anschließend steigende Fruktifikation zu schaffen.

  • Wer berät zum Trüffelanbau im Landkreis Northeim?

    Die Thüringer Trüffelschule und ihre Partner begleiten Trüffelprojekte von der ersten Standortbewertung über Planung und Anlage bis zur weiteren Betreuung der Trüffelkultur. Dabei stehen nicht allein die Trüffelbäume, sondern die erfolgreiche Entwicklung des Pilzes im Mittelpunkt.

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