Trüffelanbau und Trüffelsuche im Saale-Orla-Kreis

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Trüffelanbau und Burgundertrüffel im Saale-Orla-Kreis bei Ranis


Der Saale-Orla-Kreis bietet für die Trüffelforschung eine spannende Besonderheit: Während große Teile des Landkreises von neutralen bis sauren Ausgangsgesteinen geprägt sind, zieht sich von Westen ein für die Trüffelsuche besonders interessantes Zechsteingebiet hinein. Es verläuft über Pößneck, Ranis und Neustadt an der Orla bis über Triptis hinaus und setzt sich in Richtung Landkreis Greiz fort.

Dass hier Burgundertrüffeln vorkommen, ist inzwischen praktisch belegt: Bei einer Wochenendexkursion rund um Ranis konnten Teilnehmer der Deutschen Trüffelschule 17 Burgundertrüffeln nachweisen.

Der Landkreis ist damit gleichermaßen interessant für Trüffelsucher, Bürgerforscher, Hundebesitzer und Menschen, die über eine eigene Trüffelkultur nachdenken.

Saale-Orla-Kreis: Viel Wald und Landwirtschaft, aber nicht überall Trüffelboden

Mit rund 115.800 Hektar Fläche gehört der Saale-Orla-Kreis zu den großen Flächenlandkreisen Thüringens. Etwa die Hälfte wird landwirtschaftlich genutzt, rund 40 Prozent sind bewaldet. Bei lediglich rund 76.000 Einwohnern ergeben sich große, vergleichsweise dünn besiedelte Landschaftsräume.

Für die natürliche Verbreitung der Burgundertrüffel (Tuber aestivum/uncinatum) ist jedoch nicht allein die Flächennutzung entscheidend. Wesentlich sind unter anderem Ausgangsgestein, Bodenchemie, Kalkversorgung, Wasserhaushalt und geeignete Ektomykorrhizapartner.

Gerade deshalb lohnt im Saale-Orla-Kreis der genaue Blick unter die Erdoberfläche

Zechstein von Pößneck über Ranis bis Triptis: interessant für Burgundertrüffeln

Ein geologisch besonders interessanter Bereich zieht sich vom benachbarten Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in den Saale-Orla-Kreis hinein. Das Zechsteingebiet um Pößneck, Ranis, Neustadt an der Orla und Triptis weist kalkhaltige Ausgangsgesteine auf und unterscheidet sich damit deutlich von weiten Teilen des übrigen Kreisgebietes.

Solche geologischen Strukturen sind für unsere Forschung besonders interessant. Denn die Burgundertrüffel benötigt geeignete ökologische Bedingungen und lebt als Ektomykorrhizapilz in Symbiose mit geeigneten Baumpartnern.

Wo Geologie, Boden, Vegetation und Mikroklima zusammenpassen, lohnt deshalb eine systematische Suche mit ausgebildeten Trüffelhunden.

17 Burgundertrüffeln bei Ranis nachgewiesen

Burg Ranis wurde bewusst als Ausgangspunkt einer mehrtägigen Weiterbildung zur Trüffelkartierung gewählt. Von hier aus untersuchten Teilnehmer gemeinsam mit ihren Hunden ausgewählte Bereiche des Zechsteingebietes.

Das Ergebnis war bemerkenswert: An nur einem Wochenende im Juni wurden 17 Burgundertrüffeln nachgewiesen.

Der Fund zeigt zugleich, wie wenig wir bislang über die tatsächliche Verbreitung hypogäischer Pilze wissen. Fehlende Fundmeldungen bedeuten nicht zwangsläufig, dass keine Trüffeln vorhanden sind. Häufig fehlt schlicht jemand, der mit geeignetem Hund, Fachwissen und systematischer Suchstrategie danach sucht.

Trüffelanbau trotz saurer Böden – Standort lässt sich beeinflussen

Der überwiegende Teil des Saale-Orla-Kreises weist keine natürlichen Bodenbedingungen auf, die für die Burgundertrüffel optimal sind. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Trüffelanbau dort ausgeschlossen ist.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass geeignete mittel- bis tiefgründige, wenig skeletthaltige Böden durch gezielte Bodenvorbereitung und Aufkalkung für eine Trüffelkultur entwickelt werden können. Entscheidend ist nicht, irgendwo einen Baum zu pflanzen, sondern geeignete Lebensbedingungen für den Pilz zu schaffen.

Genau hier beginnt professioneller Trüffelanbau: Wir etablieren eine Trüffelkultur mit einem notwendigen Baumpartner.

Ob ein Grundstück dafür geeignet ist und welche Maßnahmen erforderlich wären, sollte deshalb vor einer Investition durch Bodenuntersuchungen und Standortbewertung geklärt werden.

Erst den Boden untersuchen, dann die Trüffelkultur planen

Eine erfolgreiche Trüffelkultur beginnt nicht mit dem Kauf von Trüffelbäumen. Zunächst muss geklärt werden, was der Standort dem Pilz bietet und was ihm fehlt.

Neben pH-Wert und Kalkversorgung spielen Bodenstruktur, Durchwurzelbarkeit, Wasserhaushalt, Ausgangsgestein, Exposition und weitere Standortfaktoren eine Rolle. Erst danach lässt sich entscheiden, ob eine Fläche geeignet ist und welche Vorbereitung sinnvoll erscheint.

Trüffelsuche mit Hund: Von der Kursteilnehmerin zur Exkursionsleiterin

Die Trüffelsuche bei Ranis wurde zugleich zu einem besonderen Beispiel dafür, wohin eine fundierte Ausbildung führen kann. Carina war bereits bei früheren Kursen durch Talent, Lernbereitschaft und Führungsvermögen aufgefallen. Etwa ein Jahr vor der Exkursion bei Ranis nahm sie an einer Weiterbildungsveranstaltung bei Worbis teil. Ihre eigene Hündin war damals läufig und konnte nicht eingesetzt werden. Deshalb bekam sie von Anja die erfahrene Trüffelhündin Jette zugeteilt.

Für Carina wurde dieses Wochenende zu einem besonderen Ausbildungsschritt: Die erfahrene Jette wusste längst, wie erfolgreiche Trüffelsuche funktioniert. So wurde die Trüffelhündin gewissermaßen selbst zur „Ausbilderin“ ihrer neuen Hundeführerin.

Ein Jahr später konnte Carina dieses Wissen bei Ranis im Saale-Orla-Kreis mit ihrer eigenen Lagotto-Hündin anwenden. Als der vorgesehene Leiter der Deutschen Trüffelschule kurzfristig erkrankte, erklärte sie sich bereit, die praktische Durchführung der Exkursion zu übernehmen. Die Teilnehmer hatten die Suchgebiete im Rahmen ihrer Ausbildung bereits strategisch vorbereitet.

Der Erfolg bestätigte das Ausbildungskonzept: Die aus Magdeburg, Horn-Bad Meinberg, Leipzig, Pirna und Plauen angereisten Teilnehmer konnten an diesem Wochenende im Juni 17 Burgundertrüffeln nachweisen. Zugleich zeigte Carina, wie aus einer engagierten Kursteilnehmerin eine selbstständig arbeitende Hundeführerin und Leiterin einer Trüffelexkursion werden kann.

Bürgerforscher für die Trüffelforschung im Saale-Orla-Kreis gesucht

17 nachgewiesene Burgundertrüffeln sind ein Anfang – aber keine flächendeckende Kartierung. Weitere systematische Begehungen im Saale-Orla-Kreis fehlen bislang vor allem deshalb, weil regionale Trüffelsucher und Bürgerforscher fehlen.

Das möchten wir ändern.

Gesucht werden interessierte Hundebesitzer, Pilzfreunde, Pilzberater und Pilzsachverständige, die lernen möchten, hypogäische Pilze aufzuspüren, zu dokumentieren und wissenschaftlich verwertbare Funddaten zu gewinnen.

Dafür muss niemand bereits Trüffelexperte sein. Entscheidend sind Neugier, Lernbereitschaft und Freude an praktischer Feldforschung.

Von der Pilzberatung zur Hypogäenforschung

Thüringen besitzt eine lange Tradition der öffentlichen Pilzberatung. Auch im Saale-Orla-Kreis gibt es Pilzberater und Pilzsachverständige, die diese Arbeit teilweise in einer bis in die DDR-Zeit zurückreichenden Tradition fortführen.

Die Hypogäenforschung eröffnet ein zusätzliches Betätigungsfeld: Statt nur oberirdisch sichtbare Fruchtkörper zu bestimmen, richtet sich der Blick auf die weitgehend verborgene Pilzwelt im Boden.

Interessierte Pilzfreunde können ihre Kenntnisse darüber hinaus in Wochenkursen in Kannawurf erweitern und sich bis zur Prüfung als Pilzberater oder Pilzsachverständiger weiterentwickeln.

Trüffel suchen, finden, bestimmen, kaufen oder anbauen

 Frische Trüffeln aus Thüringen kaufen

Trüffeln muss man nicht nur suchen oder selbst anbauen – man kann sie auch genießen. In Thüringen werden inzwischen Burgundertrüffeln auf eigenen Trüffelplantagen geerntet. Damit stehen während der Erntesaison auch Trüffeln aus regionalem Anbau zur Verfügung.

Wer frische Trüffeln aus Thüringen kaufen möchte, erhält bei uns nicht nur ein außergewöhnliches regionales Lebensmittel, sondern auf Wunsch auch Hinweise zu Qualität, Lagerung und Verwendung. Burgundertrüffeln werden nicht als Hauptspeise, sondern ähnlich einem hochwertigen Gewürz eingesetzt. Bereits etwa 5 bis 10 Gramm pro Person können für ein Gericht ausreichend sein.

Die Verfügbarkeit richtet sich nach Saison und Ernte. Deshalb empfiehlt sich eine rechtzeitige Anfrage.


Burgundertrüffel aus Thüringen probieren oder kaufen? Fragen Sie nach der aktuellen Ernte und Verfügbarkeit.

Welche unbekannten Trüffelarten warten noch im Saale-Orla-Kreis?

Die Forschung an unterirdisch fruktifizierenden Pilzen steht vielerorts noch am Anfang. Deshalb wäre es voreilig, aus wenigen bekannten Funddaten auf eine geringe Artenvielfalt zu schließen.

Die Forschungsgruppe Hypogäen verbindet Feldarbeit zunehmend mit DNA-Sequenzierung. Dadurch können Funde überprüft und Arten voneinander abgegrenzt werden, bei denen eine rein morphologische oder mikroskopische Bestimmung an Grenzen stößt.

Dass dabei Überraschungen möglich sind, zeigt die Beschreibung neuer Arten wie Tuber honstrassii.

Wer weiß also, was unter den Wäldern und Kalkstandorten des Saale-Orla-Kreises noch verborgen liegt?

Vielleicht wird der nächste bemerkenswerte Fund von einem Bürgerforscher aus der Region gemacht.

Bürgerforscher werden

Trüffelanbau, Ausbildung oder Bürgerforschung – machen Sie mit

Der Saale-Orla-Kreis bietet gleich mehrere Möglichkeiten, sich mit Trüffeln zu beschäftigen: als Grundstückseigentümer mit Interesse am Trüffelanbau, als Hundebesitzer bei der Trüffelsuche mit Hund, als Pilzfreund in der Aus- und Weiterbildung oder als Bürgerforscher bei der Kartierung bislang wenig erforschter Gebiete.


Die 17 Burgundertrüffeln von Ranis zeigen: Es lohnt sich, genauer hinzusehen – und vor allem darunter.






Sie möchten Trüffeln anbauen, Ihren Hund zur Trüffelsuche ausbilden oder selbst Bürgerforscher werden? Sprechen Sie uns an.

Trüffel, Trüffelforschung und Trüffelanbau im Saale-Orla-Kreis

  • Gibt es Trüffel im Saale-Orla-Kreis?

    Ja. Im Zechsteingebiet bei Ranis wurden bei einer Wochenendexkursion 17 Burgundertrüffeln nachgewiesen. Große Teile des Landkreises sind bislang jedoch nicht systematisch auf unterirdisch wachsende Pilze untersucht worden.

  • Wo wurden im Saale-Orla-Kreis Burgundertrüffeln gefunden?

    Nachweise gelangen im Umfeld von Ranis. Besonders interessant für weitere Untersuchungen ist das Zechsteingebiet, das sich über Pößneck, Ranis und Neustadt an der Orla bis über Triptis hinaus erstreckt.

  • Kann man im Saale-Orla-Kreis Trüffeln anbauen?

    Grundsätzlich können geeignete Flächen für den Trüffelanbau infrage kommen. Allerdings müssen Boden, Kalkversorgung, Wasserhaushalt und weitere Standortbedingungen geprüft werden. Auch ursprünglich zu saure Böden können unter bestimmten Voraussetzungen durch gezielte Bodenvorbereitung für eine Trüffelkultur entwickelt werden.

  • Kann man auf sauren Böden Burgundertrüffeln anbauen?

    Nicht ohne entsprechende Bodenvorbereitung. Unter geeigneten Voraussetzungen können bestimmte Böden durch Aufkalkung und weitere Maßnahmen so verändert werden, dass bessere Bedingungen für eine Trüffelkultur entstehen. Ob das wirtschaftlich und fachlich sinnvoll ist, muss für die jeweilige Fläche geprüft werden.

  • Welche Böden braucht die Burgundertrüffel?

    Burgundertrüffeln bevorzugen kalkhaltige Böden mit geeigneter Struktur, Wasserführung und passenden Ektomykorrhizapartnern. Der pH-Wert allein reicht deshalb nicht aus, um die Eignung eines Grundstücks für den Trüffelanbau zu beurteilen.

  • Warum ist das Zechsteingebiet bei Ranis für die Trüffelsuche interessant?

    Das Zechsteingebiet weist kalkhaltige Ausgangsgesteine auf und unterscheidet sich dadurch von vielen neutralen und sauren Bereichen des Saale-Orla-Kreises. Der Nachweis von Burgundertrüffeln bestätigt, dass dort geeignete Lebensräume vorhanden sind.

  • Wo kann ich mich zum Pilzberater oder Pilzsachverständigen weiterbilden?

    In Kannawurf werden mehrtägige beziehungsweise einwöchige Pilzkurse und Weiterbildungen angeboten. Je nach Ausbildungsweg können die erworbenen Kenntnisse bis zur Vorbereitung auf entsprechende Prüfungen zum Pilzberater oder Pilzsachverständigen führen.

  • Darf man wild wachsende Trüffeln in Thüringen sammeln?

    Wild wachsende heimische Trüffeln der Gattung Tuber unterliegen in Deutschland einem besonderen Schutz. Trüffelsuche im Rahmen von Forschung, Kartierung und Ausbildung ist deshalb von einer kommerziellen Wildsammlung klar zu unterscheiden. Für Entnahmen sind die jeweils geltenden naturschutzrechtlichen Bestimmungen zu beachten.

  • Kann mein Hund die Trüffelsuche lernen?

    Viele Hunde können lernen, Trüffelgeruch zu erkennen und Fundstellen zuverlässig anzuzeigen. Neben der Nasenleistung kommt es auf Ausbildung, Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund und praktische Erfahrung im Gelände an.

  • Wie kann ich Bürgerforscher für Trüffeln werden?

    Interessierte Hundebesitzer und Pilzfreunde können sich Kenntnisse über Trüffelsuche, Hypogäen, Funddokumentation und Kartierung aneignen und anschließend an Forschungsbegehungen teilnehmen. Gerade für bislang wenig untersuchte Gebiete wie den Saale-Orla-Kreis werden engagierte Mitstreiter benötigt.

  • Wo kann ich frische Trüffeln aus Thüringen kaufen?

    Sie können frische, reifegradgeprüfte Trüffeln in unserem Shop, oder in unserem Hofladen in Schönewerda im Kyffhäuserkreis kaufen.


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